Heute machte ich noch einmal einen Ausflug nach Bosnien. Zunächst ging’s nach Dubrovnik, das ich aber links liegen ließ und dann weiter zu der malerischen Bucht unweit von Dubrovnik. Hier kletterte ich von Mokosica nach Osojnik hinauf, das hieß mittags 400 Höhenmeter auf der Südseite. Kurz dahinter passierte ich die kroatisch-bosnische Grenze, eine Schranke und ein Verbotsschild waren kein wirkliches Hindernis für den illegalen Grenzübertritt. Auf der von Bosnien aufgegebenen Straße, deren Verfall in zehn Jahren besiegelt sein dürfte, stieß ich auf Vukovici, ein Dorf, das dem Krieg zum Opfer fiel. In Zaplanik folgte ich der stillgelegten Bahnstrecke Mostar Dubrovnik, ein von der EU gefördertes Projekt, das mich bei Ljubovo wieder auf die Hauptstraße führte. Zuvor hatte ich Srnjak passiert, hier zog mich eine von weitem sichtbare Kirche an. Ein Archäologe und seine drei Mitarbeiter legten gerade auf einem Friedhof eine alte Kirche frei. Von dem englischen sprechenden Mitarbeiter erfuhr ich auch, dass 1992 die Frontlinie nur 2 Kilometer weiter östlich von hier verlief. Das erklärte auch die Minenfelder rechts und links der Bahnstrecke. Von Ljubovo war mir die Strecke von vorgestern bekannt und wegen des strammen Gegenwinds erreichte ich müde die Passhöhe, wo ich ein Lokal wusste, in dem ich mich mit zwei Gläsern Weißwein und einer Suppe stärkte. Während der Abfahrt nach Ivanica überholten mich vier Harley Biker, meinen Gruß nicht erwidernd, das geht gar nicht. Damit war das Rennen eröffnet 200 gegen 60 000 Watt. Die Strecke war zu wenig kurvig, als dass meine 45 bis 50 Stundenkilometer zum Überholen gereicht hätten. Aber vor uns lag ja noch die Grenze, an der sie rechts heraus fahren mussten, mein Weg aber links an den Fahrzeugen vorbei, direkt zur Passkontrolle führte. Ich fragte sie, woher sie kämen, Stettin, war die Antwort, eine Stadt, die wir letztes Jahr mit dem Fahrrad besucht hatten. Der „Boss“ meinte spöttisch, ob mein „Fahrzeug“ keine Papiere benötigten würde. „Look, i can go!“, war meine Antwort und eine Ehrensache, dass sie mich bis zur Küste nicht mehr überholen würden. Ja, Freunde, das Rennen habe ich gewonnen – Merke: Es gehört sich einfach, einen Gruß zu erwidern, auch wenn man Harley fährt. In Kupari wartete ich in unserer „Bar“ auf Dieter vergebens, da er schon unser Haus am Strand besetzt hatte. Vier Bananen und eine Flasche Rotwein bestellte er telefonisch noch bei mir, womit mein heutiger Ausflug endete. Ein abendliches Bad im Meer erfrischte mich einerseits und kühlte meine Eindrücke des Tages anderseits.