25 von Ungheni nach Kischinau

Pünktlich um 05:00 Uhr klingelte der Wecker, auch wenn ich noch so gerne liegen geblieben wäre, der Zug kannte kein Pardon. Da wir am Abend unser ganzes Geld ausgegeben hatten, konnten wir nun keine Fahrkarte lösen – aber auch hier half uns der freundliche Zöllner weiter, indem er uns 5 Euro tauschte.

So haben wir den Schritt gewagt, den unsere Bundeskanzlerin einige Tage zuvor tat: Wir betraten moldawisches Hoheitsgebiet. Die Passkontrolle war unproblematisch, ohne Visa haben wir ein fünftägiges Aufenthaltsrecht. An der Zollkontrolle hatten wir uns versehentlich vorbei „geschmuggelt“, wurden aber zurück gerufen. Wir mussten unsere Fahrräder durch drei Zimmer schieben, der Zöllner nahm uns „Neamts“ wohlwollend in Augenschein, und damit war auch diese Prozedur überstanden.

Wir beschlossen bis Straseni den Zug zu nehmen und setzen uns deshalb in den leeren Wartesaal. Es dauerte nicht lange, bis einige junge Mädchen den Saal betraten und uns gestikulierend baten, die Räder auf die andere Seite des Saals zu schieben. Auch wenn uns der Grund nicht klar war, kamen wir der Bitte gerne nach.

Wie erstaunt waren wir aber, als die erste ihr Bluse hochhob und offensichtlich Zigaretten im Büstenhalter verstaute. Das Volumen der Brüste schwoll und schwoll, da durfte auch die Hüfte etwas zulegen. Nun noch flugs die Sandalen gegen festes Schuhwerk getauscht und so verließ eine nach der anderen den Saal in Richtung Moldau.

Da unser Zug erst im 09:10 fuhr, ging ich noch in eine Bar, um einen Kaffee zu trinken. Das gestaltete sich aber gar nicht so einfach wie ich dachte. Denn was trinkt der moldawische Mann am Morgen? Schnaps natürlich! Welche Sorte, konnte ich nicht ausmachen, aber die Menge war schier unglaublich.

Die Fahrt mit der Staatsbahn verlief genauso gemütlich, wie mir das Gemüt der Leute erschien. Die letzten 25 Kilometer sind wir dann wieder mit dem Rad gefahren. Die Staatsstraßen sind  nicht so breit wie die unsrigen, was den geringen Abstand der vorbei fahrenden LKWs erklärt – denn gebremst wird für Radfahrer gleich gar nicht.

Kischinau verstrahlte den Charme östlicher Großstädte, meiner Ästhetik folgend, wechselte manch Schönes mit mach Schrecklichem. Den Tag hatten wir in Kischinau bei Mac Donald und einem Italiener „verbummelt“, so dass wir keinen Zug nach Bender mehr fanden. Also blieb uns nichts anders übrig, als im öffentlichen Park nach einen geeigneten Schlafplatz Ausschau zu halten.

1 thoughts on “25 von Ungheni nach Kischinau

  1. Ja, die Zeiten im Osten haben sich zwar rapide geändert, aber manche Sachen eben auch nicht. Ich habe beim Trampen in den 80-ziger Jahren meine Forint und Lews immer auf meinem Kopf unter den Haaren ins Land geschmuggelt und sah so an jedem Grenzübertritt immer aus wie eine „Heilige“ mit meinem Turban……

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